Das Prinzip „Reuse-first" zur Wirkungsmaximierung des Refit bildet die Grundlage meines Projekts. Ein kundenorientierter Ansatz, der zeigt, dass Nachhaltigkeit und schnelle Bauweise mit Präzision und Innovation einhergehen können. Anstatt ihn komplett zu erneuern, behält das Design den ursprünglichen Rumpf weitgehend bei, würdigt somit das Erbe der Yacht und nimmt nur dort Verbesserungen vor, wo dies wirklich zu mehr Leistung, Effizienz oder Komfort führt. Ein subtiler Art-déco-Einfluss erinnert bei dieser Tagesyacht, die einen Refit erhalten hat, an die goldene Ära des Luxusreisens. Ein Großteil des ursprünglichen Rumpfes blieb erhalten, so wurden der Charakter und das Erbe der Yacht gewürdigt, während die Neugestaltung auf einen klassischen Ausdruck ausgerichtet wurde. Das geschlossene Sonnendeck wurde entfernt, wodurch der Aufbau vereinfacht, das Gewicht reduziert und die Komplexität der Konstruktion verringert wurde. Gleichzeitig wurde ein privater Rückzugsort für den Eigentümer geschaffen. Das Heck wurde neu geformt und der Bug mithilfe von leichten PE-Schaum-Verbundwerkstoffen angehoben. Diese intelligenten Bauweisen verbessern Form und Funktion ohne unnötigen Abriss. Wichtige Systeme wurden strategisch neu positioniert, um die RINA-Standards zu erfüllen und Layout, Stabilität sowie Sicherheit zu optimieren. Diese Maßnahmen minimieren den Abrissaufwand und verkürzen die Bauzeit. Das steht im Einklang mit den Kernzielen des Projekts: Geschwindigkeit und Effizienz. Schließlich wurden kompakte 12-Zylinder-Motoren eingebaut, die für eine Umrüstung auf umweltfreundliches Methanol vorbereitet sind, gepaart mit einem Batteriesystem, das leises, emissionsarmes Cruisen im Mittelmeer ermöglicht. Das Resultat ist eine traditionsreiche, umweltbewusste und zukunftsfähige Yacht, die zeigt, dass eine disziplinierte Wiederverwendung besser sein kann als ein vollständiger Ersatz – sowohl in Sachen Eleganz als auch hinsichtlich der Effizienz.
Im Gespräch mit Arthur Colle, Young Designer 2026
Was hat Sie zum Yachtdesign hingezogen?
Als Kind wollte ich unbedingt Architekt werden. Stattdessen studierte ich schließlich Industrielles Produktdesign, doch diese ursprüngliche Faszination für Architektur ist immer geblieben. Nach meinem Abschluss suchte ich nach einer Möglichkeit, beide Disziplinen miteinander zu verbinden, anstatt mich vollständig dem industriellen Produktdesign zu widmen. Das Yachtdesign schien mir der naheliegende Schnittpunkt zu sein. Mich fesselt daran, dass ich mich beim Entwerfen von Yachten wie ein Erfinder fühle, und das geht über die Ästhetik hinaus. Vielleicht ist es genau das, wonach ich die ganze Zeit gesucht hatte, ohne es zu wissen.
Welche Designer und Yachten inspirieren Sie bei der Arbeit?
Ich betrachte das Ganze aus einer Makroperspektive und fokussiere mich auf die Vision und Absicht hinter den Projekten und Marken. Diese Perspektive ist für meinen Designansatz besonders wertvoll. Wenn man die Geschichte des Yachtbaus betrachtet, geht an Jon Bannenberg allerdings kein Weg vorbei. Sein transformativer Ansatz hat die Branche zu einer design- und visionsorientierteren Denkweise geführt. Auch Sergio Cutolo hat mich stark beeinflusst. Neben dem, was er mir während meines Masterstudiums beigebracht hat, hat vor allem seine Denkweise den größten Eindruck bei mir hinterlassen.
Außerhalb des Yachtbaus inspirieren mich Mate Rimac und James Dyson durch die Art und Weise, wie sie Grenzen hinterfragen, indem sie durch unermüdliche Weiterentwicklung und Umsetzung neu definieren, was technisch möglich ist. Diese Denkweise begleitet mich jeden Tag.
Wie stellen Sie sich die Entwicklung des Yachtdesigns vor?
Kühne Designs finden Anklang. Ich würde mir mehr Projekte wünschen, die eine klare Position beziehen, anstatt auf Nummer sicher zu gehen. Ich würde mir auch wünschen, dass Umbauprojekte an Bedeutung gewinnen. Durch die Verlängerung der Lebensdauer bereits existierender Arbeitsschiffe wird Geschichte zu einem Teil des neuen Design-Konzeptes und der Bestimmung. Das führt oftmals zu einem vielschichtigeren und bedeutungsvolleren Ergebnis. Technologisch gesehen tritt der eigentliche Wandel für mich dann ein, wenn KI weit über einfache Visualisierung hinausgeht und fest in den Kern des Designprozesses eingebettet wird. Wenn sie sich von einem Werkzeug zu einem echten Design-Partner entwickelt.



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